SKS Schulungs- und Prüfungstörn

Törnbericht
Von Gabi Wiefels

Freitag, 21.06.2019

Endlich ist es soweit. Nach bestandener Theorieprüfung im letzten Jahr möchten wir nun die
praktische Prüfung ablegen.

Wir treffen uns in der Marina Stavoren Buitenhaven im Restaurant De Potvis. Neben Michael
Einemann als Skipper und Ausbilder nahmen Dagmar Kähler, Wilfried Lüttmann, Hans-Dieter
und Gabi Wiefels von der SKU als Crew und SKS-Prüflinge und ein externes Crewmitglied und
Prüfling teil ( wir hatten uns alle beim Unterricht für die theoretische Prüfung bei der SKU
kennengelernt ).

Foto: Gabi Wiefels

Die „Lucky Spirit“, eine Bavaria 38, sollte uns den nötigen glücklichen Geist und Stimmung
bringen!

Samstag, 22.06.2019

Nach der Sicherheitseinweisung und weiterer Erklärungen der Einrichtungen an Bord ( die
wichtigsten hatte uns Michael schon Freitag Abend gezeigt ) haben wir noch theoretische
Fragen wiederholt ( eigentlich müssten wir alles wissen, schließlich hatten wir ja alle die
theoretische Prüfung letztes Jahr bestanden ). Aber nun muss die Theorie in die Praxis
umgesetzt werden. Seemannschaft, Schifffahrtsrecht, Navigation, Gezeitenkunde, Wetter, alles
schon mal gehört.

Motorkunde
Auch wichtig: Ruderquadrant

Um 15:30 Uhr sind wir und das Boot klar, unser Törn kann beginnen. Unser Ziel Makkum
können wir aufgrund der Windverhältnisse und der Welle gegenan leider nicht anlaufen und so
kommt unser Plan B zum Zug und wir kreuzen nach Hindeloopen. Um 20:30 Uhr legen wir in
der Marina an und machen noch einen kurzen Spaziergang mit Absacker in einem Restaurant
in der Nähe des Hafens.

Sonntag, 23.06.2019

Nach einem ausgiebigen Frühstück legen wir um 10 Uhr ab und fahren zunächst an die
Tankstelle zum Diesel tanken. Nach der Routenplanung und Streckeneinweisung durch
Dagmar und dem externen Prüfling geht es um 11 Uhr los mit Ostwind Stärke 2-3 Bft. bis zur
Lorentzschleuse in Kornwerdersand, die wir um 12:55 Uhr erreichen. Leider haben noch viele
andere Skipper die Idee, heute Mittag in das Gezeitenrevier der Waddensee einzulaufen. Um
15 Uhr sind wir dann endlich ins Fahrwasser Richtung Harlingen eingelaufen. Wir hatten guten

Wind und konnten mit 9 in Richtung Vlieland segeln. Um 19:30 Uhr sind wir fest am Steg im
Hafen von Vlieland. Wir sind froh, dass wir noch einen Platz gefunden haben, da der Hafen
total überfüllt ist. Michael kann noch mit Hendrik fachsimpeln, der auch als Skipper einen
Prüfling an Bord hat. Wir sind geschafft, sind nun aber alle mal im Gezeitenrevier der Nordsee
gefahren.

Foto: Wilfried Lüttmann

Montag, 24.06.2019

Nach der Törnbesprechung und Streckeneinweisung von Gabi und Hans-Dieter verlassen wir
um 11 Uhr unseren Liegeplatz, um im Vorhafen von Vlieland diverse Manöver zu üben. Nach 2
Stunden haben wir die Nase voll von Aufstoppen, Rückwärts, Vorwärts, Kreis fahren usw. Also
erstmal eine Siesta einlegen bei bestem Sommer-Sonnen-Wetter bevor unser Törn weiter geht.
Nach unserer Strom- und Tidenberechnung sollen wir gegen 14 Uhr starten, um die optimale
Route nach Texel zu fahren. 14:10 Uhr Leinen los und schönes Segeln bis 17 Uhr, dann schläft
der Wind ein. Also Segel geborgen und weiter unter Motor. Wir entscheiden uns für eine
Änderung der Route durch das flache Molengat, da wir kaum Seegang haben ( „spiegelglatt im
Molegat“ ). Wir fahren erst um 19 Uhr ins Molengat ein, würden aber trotz der Abkürzung erst
sehr spät abends im Hafen Oudeschild auf Texel ankommen und so greift unser Plan B, den
Hafen von Den Helder anzulaufen, wo wir dann um 21 Uhr in einer Box festmachen.

Foto: Gabi Wiefels

Dienstag, 25.06.2019

7 Uhr aufstehen, Frühstück und um 09:30 Uhr Crewbesprechung. Heute erklärt uns Wilfried
seine ausgearbeitete Route. Um 10 Uhr legen wir ab und folgen zunächst dem Fahrwasser
nach den Oever, wo wir tanken wollen. Gegen 13 Uhr fahren wir nach der Ausfahrt aus der
Stevins-Schleuse in den Binnenhafen von den Oever, die Tankstelle hat jedoch geschlossen
und keinen Automaten mehr, da seit einiger Zeit in den Niederlanden das Tanken aus
Umweltschutzgründen nur noch mit Service möglich ist. Also setzen wir unseren weiteren Kurs
nach Stavoren ab. Wir üben die Manöver, Segel setzen, Wende, Halse, Beiliegen. Vor
Stavoren wieder Motor an, Segel bergen, es geht durch die Johan-Friso-Schleuse und dahinter
zur Tankstelle. Wir bunkern Diesel und fahren wieder durch die Schleuse zu unserem
Liegeplatz in der Marina Stavoren (Buitenhaven). Um 17:30 Uhr legen wir an und unser Törn
und ein schöner Segeltag ist jetzt erstmal beendet.

Nun folgt nach der Kür die Pflicht und wir müssen in den nächsten Tagen die Pflichtmanöver
üben, da wir ja die Prüfung bestehen möchten. Schade eigentlich, wir haben eine schöne Zeit
auf dem Wasser und die Crew ist jetzt eingespielt. Die Stimmung an Bord ist bestens, trotz der
Anspannung und Nervosität wegen der bevorstehenden Prüfung.

Foto: Gabi Wiefels

Mittwoch, 26.06.2019

Wir legen um 11 Uhr ab und fahren aus dem Hafen aufs Ijsselmeer, um diverse Manöver zu
üben. Der Wind aus N/NE bläst mit 4-5 Bft., wir setzen das Groß-Segel ins 2.Reff, damit wir die
Wenden und Halsen besser fahren können. Nach 3 Stunden legen wir erstmal eine Pause ein,
die vielen Manöver-Kreise sind ganz schön anstrengend. Nachmittags geht es weiter zunächst
mit „Hafenkino“: Manövertraining unter Motor, Anlegen, Ablegen, Leinenarbeit. Danach wieder
raus aus dem Hafen und diverse Manöver unter Segel, bei den Verhältnissen nicht immer
einfach. Um 22 Uhr laufen wir wieder in die Marina ein. Ganz schön langer Tag, noch einen
Anlieger an Bord und danach fallen wir alle müde in die Kojen.

Donnerstag, 27.06.2019

Heute trainieren wir den ganzen Tag alle für die Prüfung relevanten Manöver, immer wieder fällt
unsere gelbe Boje über Bord. Unsere Boje hat zwar keinen Namen und ist auch sonst sehr still,
wir retten sie trotzdem immer wieder und holen sie an Bord. Die Manöver klappen dank
Michaels geduldigem Einsatz und seinen klaren Erläuterungen immer besser.

Auch die Hafenmanöver klappen Dank der mittlerweile einspielten Crew gut und der dicke
Fender wird beim „Eindampfen in die Vorspring“ ordentlich gedrückt.

Der letzte Abend vor der Prüfung, wir gehen lecker essen in ein Restaurant an der Schleuse in
Stavoren. Zurück an Bord hat keiner mehr so richtig Lust auf einen Absacker. Wir gehen alle
früh in die Koje, da morgen früh um 6 Uhr der Wecker klingeln wird. Wir haben beschlossen,
morgen vor der Prüfung aufs Ijsselmeer zu fahren, um den kompletten prüfungsrelevanten
Ablauf, also Manöverkreis mit Wende und Halse, Beiliegen und Q-Wende unter Segel als auch
unter Segel mit Motorunterstützung nochmal zu üben und zu besprechen.

Foto: Wilfried Lüttmann

Hafenmanöver Anlegen am Steg

Freitag, 28.06.2019

Oje, es ist 6 Uhr und alle müssen aufstehen. Ein wenig verschlafen machen wir uns ohne
Frühstück auf den Weg ins Ijsselmeer und üben die Manöver. Wir haben heute wenig Wind und
die Sonne lacht vom Himmel. Eigentlich beste Bedingungen, trotzdem ist uns allen nicht wohl
bei den Gedanken an die Prüfung.

Nach 2 Stunden fahren wir wieder in die Marina und an den Steg, wo die anderen Boote mit
weiteren Prüflingen bereits liegen. Wir erfahren, dass wir erst gegen Mittag dran sind und
frühstücken erstmal. Danach fahren wir nochmal raus aufs Ijsselmeer und die gelbe Boje fällt
immer wieder über Bord, um sie mit dem Prickhaken aufzufischen.

Nun sind wir bestens vorbereitet Dank der vielen Mühen unseres Skippers und Ausbilders
Michael. Geduldig hat er uns immer wieder erklärt, wie die entsprechenden Kommandos lauten
und die dazu gehörenden Manöver ausgeführt werden sollen.

Jetzt müssen wir „nur“ noch umsetzen, was wir gelernt haben!

Es ist kurz nach 13 Uhr, die 2 Prüfer kommen an Bord. Sie stellen sich vor, überprüfen die
Formalien und beruhigen uns, in dem Sie meinen, heute werden wir nur die Lizenz zum Üben
erwerben und in einer Woche könne man nicht perfekt sein. Trotzdem möchten Sie alle
geforderten Manöver von uns sehen und einer nach dem anderen meistert sie auch alle zur
Zufriedenheit der Prüfer. Die theoretischen Fragen, die einer der Prüfer unter Deck stellt,
betreffen u.a. Fragen zur Seemannschaft, Navigation und Wetterkunde. Aufgrund der guten
gemeinsamen Vorbereitung haben wir diesen Teil der Prüfung auch alle gut hinbekommen.

Am Ende haben wir die Prüfung alle bestanden. Erleichtert und noch voll des Adrenalins fielen
sich alle vor Freude in die Arme. Eine sehr harmonische und lehrreiche Woche hat einen guten
Abschluss gefunden.

Unser herzlicher Dank gilt vor allem Michael, der uns nicht nur durch die theoretische, sondern
jetzt auch durch die praktische Prüfung erfolgreich führte.

Foto: Wilfried Lüttmann

Prüfung bestanden!

„Ja, wenn man so eine Mannschaft hat, wird alles wieder gut, wird alles wieder gut,

ja, wenn man so eine Mannschaft hat, wird alles, alles, alles wieder gut“.

Juchhee, Prost🍻!!!

Noch ein paar Eindrücke ( alle Fotos von Wilfried Lüttmann ):